AUFWIND Schlepplogo IMG_0243
DSC_5205


ASW15b  1:3 von Schadl Modellbau mit EMA 800  Motoraufsatz von Florian Schambeck

Portrait eines außergewöhnlichen Großseglers

Maßstab 1:3         Spannweite   5 Meter                Gesamtgewicht flugfertig  8.076 GrammASW15bEMA1

Mit den Tugenden „klassisch, elegant und zeitlos“, aber vor allem „unproblematisch“ würde ich die Eigenschaften und das Handling der ASW15b bezeichen.

Die ASW15b wie hier abgebildet ist bereits meine 2. Version aus der Manufaktur von Manfred Schadl.

Die erste ASW15b kaufte ich 2005 als gebrauchten Großsegler und ich erinnere mich genau an den damaligen ersten Einsatz unter meinen Knüppelbewegungen. Die „15“ geht wie auf Schienen, sagte mir der damalige Verkäufer und ich musste ihm Recht geben. Nach weit über 30 Segelflugmodellen, die ich in knapp 10-15 Jahren Modellfliegerei geflogen habe, gab mir dieser Segler sofort das Gefühl,  - das ist sie, die „eierlegende Wollmilchsau“, stets fair und unkompliziert zu fliegen; man leitet einen „Platzüberflug ein, senkt die Nase und die „15“ läuft, ebenso das neutrale Verhalten der Landeklappen, keinerlei Mischungen etc. sind nötig, einzig die Fähigkeit des Piloten entscheidet dann noch letztlich, das Modell punktgenau aufzusetzen und dieses Aufsetzen ist ebenfalls die Paradedisziplin der „15“.  Leicht auf das Rad setzen und es ist eine Freude, den Segler dann auf Kurs ausrollen zu lassen, geradeaus, zum Platzausgang, alles ist möglich …

Doch der Reihe nach …

Als ich im mich im Frühsommer 2008 dazu entschloss, eine zweite „15“ zu erwerben, kam die Idee auf, das Design identisch zur manntragenden Version meines hiesigen Segelflugvereines zu wählen. Bei der Bestellung erzählte mir dann Manfred Schadl, der Florian Schambeck konstruiere derzeitig einen Scaleaufsatz, der auch einen 8kg Segler auf gute Ausgangshöhen bringen könne, obendrein bodenstartfähig sei und weit unter den Preiskategorien eines Klapptriebwerkes läge. Ungesehen gab ich dieses Triebwerk in Auftrag und Ende Oktober 2008 rief mich Manfred Schadl an und ich merkte seinen Aussagen über den Ersteinsatz des Prototypen des EMA800 seine  sprichwörtliche Begeisterung an. Er sagte zu mir: „Wenn Du willst, bekommst Du eines der ersten Serienaufsätze ..“ – Ich stimmte sofort zu und der Zufall wollte es, dass wir fast zeitgleich im gleichen Bundesland Österreichs unseren Skiurlaub verbrachten – am Silvestertag 2008 erhielt ich meine neue „15“ mit dem ersehnten EMA Aufsatz. So filigran und klein hätte ich mir dessen Aufbaumasse nicht zu träumen gewagt.

ASW15b2

Beflügelt von dessen Erzählungen machte ich mich an das Werk, die „15“ einsatzfähig zu machen. Der Bausatz ist in allen Fertigungsgraden bestellbar. Als Grundpreis werden ca. EUR 900,00 fällig, jedoch empfehle ich jedem die Ausführung mit Kevlarrumpf, neben dem wesentlich geringeren Gewicht ist dieses Material im Alltagsbetrieb dem klassischen GFK in allen Bereichen überlegen. Das Seitenruder ist aus GFK, Höhenruder und Flächen in klassischer Styro-Abachi Ausführung mit entsprechenden Holmen verstärkt. Sämtliche Zubehörteile wie Einziehfahrwerk, Sitzschale und Cockpitpanel lassen sich herstellerseitig beziehen, so dass dieser Bausatz in Abhängigkeit der eigenen Zeitschiene schnell fertiggestellt werden kann.

Das Dekor bestellte ich wie immer bei Michael Stumpf in Ulm, hierzu sandte ich Michael einige Detailphotos des manntragenden Vorbildes und wenige Tage später hielt ich meine Originalkennungen im Maßstab 1:3 in meinen Händen. Unglaublich, wie detailtreu Michael hier gearbeitet hat. „Gelernt ist halt gelernt ..“

Zum bevorstehenden Erstflug machte mir das Winterwetter jedoch zunächst einen Strich durch meine Rechnung, Schnee gab es bei uns in den letzten Jahren nur selten, doch heuer sollte er gar über 10 Tage liegen bleiben. Als dieser dann sich doch entschloss, die Start- und Landepiste zu räumen, ging es raus auf den Flugplatz.

Mein Teamkollege Holger stand mit seinem Schlepper bereit und ich entschloss mich, zunächst das Modell im Schlepp einzufliegen. Schliesslich sind wir F-Schlepper aus Leidenschaft und da muss die „15“ natürlich auch erst einmal im Schlepp eingeflogen werden. Der Start verlief erwartungsgemäss reibungslos und wenn hier ansonsten die Aussage der üblichen Trimmkorrekturen kommt; „nein“ – nichts musste geändert werden, o.k., ich hatte die alten Werte meiner betagteren „15“ natürlich vorab übernommen und siehe da, es passte alles, - also in ca. 150 Meter ausklinken und die ersten Einflugszenarien durchfliegen. Dann kam der grosse Moment des EMA800. Ich entschloss mich bei der Programmierung meines Handsenders MX22, den Schiebeschalter unten am Sendergehäuse für die Motorsteuerung zu wählen, so konnte ich stufenlos das Triebwerk in Sachen Drehzahl hoch- und runterfahren, ich schob langsam den Regler nach vorne und mit einem Grinsen im Gesicht ging es dann auf eine Höhe von ca. 350 Metern. Fast lastwechselfrei läuft das EMA800 an, das ganze gelingt so spielerisch einfach, dass ich mich entschloss, Überflüge mit unterstütztem Triebwerk durchzuführen, da war er erfüllt, mein lang ersehnter Wunsch: „Überflüge ohne Ende, nur der Pilot bestimmt, wann der Segler landen muss ..“ – Das EMA800 ist in Sachen Leistungscharakteristik perfekt abgestimmt auf die ASW15b. Die Leistungsentfaltung ist fast scalelike und das Geräusch ist sehr angenehm und fast als sehr leise einzustufen.

Headliner2

Auf keinem Flugplatz dieser Welt wird es hiermit Lärmprobleme geben können, - und der Verlust der Gleitleistung im Vergleich zu einer EMAlosen ASW15b, - ehrlich gesagt, ich kann es subjektiv nicht spüren. Natürlich meint man, dass muss sich ja negativ auswirken, ähnlich wie eine Kamera auf den Flügeln, die ganz klar einen Gleitverlust hervorruft, steht das EMA ja perfekt auf der Schwerpunktachse und ist so filigran in Sachen Luftwiderstand, dass die Aussage des Herstellers, es gäbe keinen spürbaren Nachteil von mir voll und ganz zu bestätigt werden kann.

Und das Mehrgewicht ? – Klar, ganz ohne Mehrgewicht kann es nicht gehen, in meinem Fall aber waren es gerade einmal 705 Gramm, wobei der LIPOakku bereits 720 Gramm wiegt, wie geht das ?!

ASW15EMA9

Ganz einfach, in meiner alten „15“ wurden zwei vierzellige SUB-C Akkus in der Nase untergebracht, in der neuen „15“ sitzt dort nun der LIPOakku für den Antrieb,  ein 6zelliger LIPO mit einer Kapazität von 5000ma/h, die Akkus für den Empfänger sind nunmehr zwei vierzellige AA Packs mit je 2700 ma/h, voll und ganz ausreichend und schlussendlich neben dem Einziehfahrwerk platziert.

Wenn man auf Scale ausbauten wie Puppe etc. verzichtet, wird man diesen Segler unter 7,5 kg in die Luft befördern können, aber wie sähe das aus ?

„Bodenstartfähig“ soll es sein, das EMA800, ist es das tatsächlich und welcher Akrobatik bedarf es, die „15“ nach oben zu bekommen. Der erste Bodenstart meinerseits wurde natürlich auch am ersten Tag des Einfliegens geübt. Ein Vereinskollege hielt die Flächen fest und ich schob langsam aber sicher die Drehzahl nach vorne, die Nase senkte sich und ich dachte an die mahnenden Worte von Manfred Schadl, „wenn´s auf die Nase geht, ist zuviel Gas drin, brich dann ab und starte erneut“ – gesagt – getan, der Trick ist ganz einfach, das Modell muss erst leicht anrollen und selbst Fahrt aufnehmen, dann tariert man die Flächen über das Querruder aus und kann dann sukzessive Vollgas geben, das Modell hebt dann harmonisch ab, ganz wichtig ist jedoch, das Höhenruder während der gesamten Startphase gezogen zu halten, anfangs ganz, dann im weiteren Verlauf - je mehr Fahrt  dann anliegt, je mehr lasse ich das Ruder zurückgehen bis in Neutralstellung beim Abheben, - das Ganze hört sich schwieriger an als es ist. Beim dritten Start liess ich die Flächen ohne Helferhand am Boden und startete alleine; ein wenig mit dem Seitenruder korrigieren und wenn dann die Flächen sich aufrichten, beginnt der Moment des Abhebens, einfach ein gutes Gefühl, so scalelike starten zu können.

Vorbeiflug

Als F-Schlepp Freak werde ich sicherlich auch eine elektrifizierte „15“ immer wieder im Schlepp fliegen, aber die Möglichkeit, am Abend nochmals durchzustarten oder gar an einem beliebigen Tag in der Woche alleine fliegen gehen zu können und das mit einem echten Großsegler, diese Alternative hat mich vollends überzeugt.

Was man dazu braucht ? Einen guten Segler mit Allroundflugeigenschaften, ein zuverlässiges Triebwerk obendrauf und den Spaß und die Faszination,  beides miteinander zu verbinden. Wer schon immer ein Klapptriebwerk besitzen wollte, aber bisher den finanziellen Aufwand scheute, wird nun belohnt, das EMA Triebwerk gibt es inzwischen in drei modellabhängigen Leistungsstufen 400,800 und 1000 und kostet ein Bruchteil dessen, was man für ein Klapptriebwerk bezahlen müsste.

Ich bin begeistert und hoffe, dass diese neue Dimension der elektrifizierten Scalefliegerei noch viele Anhänger finden wird. Nähere Infos zum Modell gibt es unter                    www.manfred-schadl.de und zum EMA Aufsatz unter www.klapptriebwerk.de

ZUM ORIGINAL:

Die ASW15b hatte ihren Erstflug im April 1968 und wurde von Gerhard Waibel konstruiert und von den Schleicher Werken gebaut, insgesamt 453 Stück wurden hergestellt. Ein Exemplar besitzt der FSV Emmerich-Rees, dessen Designvariante ich auch bei meiner elektrifizierten Variante wählte. Übrigens gab es auch im manntragenden Bereich zwei ASW15b mit eingesetzem Triebwerk.

Christoph Fackeldey   Februar 2009

 

[F-Schleppontour] [Von Piloten für Piloten] [Faszination F-Schlepp] [Schleppflugzeuge] [Segelflugzeuge] [Tipps und mehr ...] [Termine 2010] [Bauberichte] [Impressum] [Pilotenportrait] [Flugberichte] [ASW15b] [Wilga PZL 104] [ASK 21] [Bocian Albert] [SZD 59] [Schleppseil kaufen] [Einsteigertipps] [Aktuell von uns] [Fliegernews] [Modellverkauf] [Jahresrückblick] [12 Monate 2009] [Reportagen]